RESSOURCENSCHONENDES (VER)PFLANZEN VON BÄUMEN FÜR EIN LEBENSWERTES KLIMA

Mehr Bäume pflanzen: Der Ruf nach mehr Bäumen als Mittel im Kampf für ein lebenswertes Klima und für mehr Biodiversität ertönt immer lauter. Unsere Baumschulen kommen angesichts der zunehmenden Nachfrage nach Bäumen mit der Produktion nicht mehr hinterher. Auf dieses Problem hat die niederländische Kampagne Meer Bomen Nu eine passende Antwort gefunden: Ressourcenschonendes (Ver)pflanzen von Bäumen. Die von der niederländischen Regierung bis 2030 geplante Anpflanzung von Bäumen auf einer Fläche von insgesamt 37.000 ha (ca. 150 Mio. Bäume) und die in Deutschland wiederherzustellende Waldfläche von 277.000 ha (ca. 1 Mrd. Bäume) sorgen bereits für eine große Nachfrage nach Setzlingen und nach Menschen, die sie einpflanzen können. Die EU setzt im Kampf gegen den Klimawandel auch auf das Pflanzen von Bäumen und plant bis 2030 europaweit eine Zunahme des Bestands um 3 Mrd. Bäume. Vor der Herausforderung eines Mangels an Setzlingen stehen darüber hinaus auch das Vereinigte Königreich und andere europäische Länder. Ist dieser empfundene Mangel aber reell?  

Wenn wir die Natur durch eine öko-logische Brille betrachten, wird deutlich, dass uns junge Bäume im Überfluss zur Verfügung stehen!

Jede Eiche und jede Buche produziert jährlich nämlich Hunderte, wenn nicht Tausende Nachkommen. Von diesen wird aber nur ein kleiner Teil überleben und das Erwachsenenstadium erreichen. Diese Setzlinge haben in der Natur durchaus einen ökologischen Nutzen: Sie dienen Tieren als Futter, sind Teil des jeweiligen Ökosystems und der natürliche Wettbewerb zwischen ihnen ist wichtig, damit sich am Ende ausreichend robuste Exemplare durchsetzen. An vielen Orten sind sie jedoch unerwünscht und mancherorts wachsen sie in ein einem solchen Überfluss, dass ein Teil von ihnen problemlos und ohne negative Folgen umgepflanzt werden kann. Selbiges gilt für Setzlinge von Büschen sowie für Stecklinge. Jeder Ableger eines Holunders, einer Weide, einer Pappel, einer Feige oder eines Schmetterlingsstrauches kann zu einem neuen Baum bzw. Strauch heranwachsen. 

Durch das Verpflanzen von jungen Bäumen, Setzlingen und Stecklingen an Orte, an denen sie erwünscht sind, können wir in Europa mehr Bäume kostengünstig, schnell und auf nachhaltige Art und Weise pflanzen und den Bürgern Europas hinsichtlich ihrer Ängste vor den Folgen des Klimawandels ganz nebenbei noch eine praktische Handlungsperspektive bieten. Diese öko-logische Methode hat darüber hinaus auch eine starke soziale Komponente, da Förster*innen, Landwirte und Freiwillige sich gemeinsam im Kampf gegen den Klimawandel engagieren und für die Wiederherstellung unserer Natur einsetzen, sodass die Methode auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken kann.  

Kampagne Meer Bomen Nu – Mehr Bäume Jetzt

Die niederländische Kampagne Meer Bomen Nu (Mehr Bäume Jetzt) sammelt junge Bäume und Setzlinge in Naturgebieten und Parks, um diese Bürgern und Landwirten mit einem Bedarf an Pflanzen kostenlos anzubieten. Mit Tausenden Freiwilligen erntet Meer Bomen Nu jährlich Birken, die Heidelandschaften zu überwachsen drohen, Setzlinge, die zu nah am Wegesrand oder zu dicht gedrängt stehen, und junge Sträucher, die Neubauten weichen müssen. Bäume und Sträucher werden stets ausschließlich mit der Erlaubnis der verantwortlichen Förster*innen oder Grundeigentümer*innen geerntet.

Im vergangenen Winter hat Meer Bomen Nu in den Niederlanden 390.000 knie- bis mannshohe Setzlinge umgepflanzt, von denen schätzungsweise* 80 % das Verpflanzen überlebt haben. Das war möglich dank des Einsatzes von 3.500 Freiwilligen. Etwa ein Drittel der Abnehmer von Bäumen und Sträuchern waren Landwirte, die damit Windschutzstreifen anlegten oder ihr Land begrünten. Ein anderes Drittel der Abnehmer bestand aus startenden Waldgarteninitiativen und das letzte Drittel der geernteten Bäume fand in Gärten, Neubauvierteln, Grünstreifen an Wegesrändern und im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen vor dem Hintergrund der Eingriffsregelung ein neues Zuhause. Insgesamt hat die Kampagne innerhalb von zwei Jahren 890.000 Bäume umgepflanzt. Für die Niederlande wird für die nächste Saison von der federführenden Umweltschutzorganisation Urgenda mindestens eine Verdoppelung der Zahl der Freiwilligen sowie der umgepflanzten Bäume und Sträucher angestrebt. Von November bis März – während der jährlichen Ernte- und Pflanzsaison – werden Erntegebiete gesucht, Bäume mithilfe von Freiwilligen geerntet und anschließend zu Pflanzgebieten oder zur Zwischenlagerung zu sogenannten BaumHubs gebracht. 

EINLEUCHTEND UND INNOVATIV

Die vom niederländischen Ökologen Franke van der Laan von der Stiftung MEERGroen [MEHRGrün] bedachte und über Jahre hinweg optimierte Mehr Bäume Jetzt-Methode ist gleichermaßen einleuchtend wie innovativ. Urgenda, international bekannt für die Klimaklage gegen den niederländischen Staat, verfolgt das Ziel, diese öko-logische Methode landesweit in die Bewirtschaftungsweise des natürlichen Raums zu integrieren, um so zur Erreichung der gesetzten Klima- und Biodiversitätsziele beizutragen. Die Caring Farmers, eine wachsende Gruppe von Landwirten, die sich Sorgen macht um die Umwelt, hat dazu mit dem Anpflanzen von über 100.000 Bäumen einen wesentlichen Beitrag geleistet. Diese Methode könnte auch in vielen anderen Ländern Nordeuropas zum Einsatz kommen und bietet großes Potenzial im Kampf gegen den Klimawandel und den Biodiversitätsverlust. Ein neu entwickeltes Online-Tool, der sogenannte BaumPlaner, ermöglicht auf lokaler Ebene die Zusammenführung des Angebots an Setzlingen bei Förster*innen, BaumHubs und Erntegebieten sowie das Angebot an Freiwilligen und die Nachfrage bei Pflanzgebieten. 

Die ersten in Belgien umgepflanzten Bäume – mit Frans Timmermans und der flämischen Ministerin Zuhal Demir.

Am 11. Dezember 2021 haben der geschäftsführende Vizepräsident und Kommissar für Klimaschutz in der EU-Kommission, Frans Timmermans, sowie die flämische Umweltministerin, Zuhal Demir, gemeinsam mit Vertretern der niederländischen Urgenda-Kampagne Meer Bomen Nu die ersten belgischen Bäume umgepflanzt. Unter Aufsicht der belgischen Forstbehörde Zonienwoud fanden sie eine junge Eiche sowie eine Wilde Vogelkirsche an einem Standort, an dem beide aufgrund von Platzmangel nicht gut hätten gedeihen können, und gruben diese aus. Die Bäume wurden anschließend in 300 Meter Entfernung im Garten von Bürgern der Gemeinde Hoeilaart wieder eingepflanzt, die mit ihren neuen Bäumen sehr glücklich waren. Alle Anwesenden zeigten sich von der Baumpflanzmethode begeistert, da sie eine schnelle Umsetzung von Plänen bezüglich der Anpflanzung von Bäumen im Kampf gegen den Klimawandel und zur Wiederherstellung der Biodiversität möglich macht. Im vergangenen Winter hat Meer Bomen Nu in den Niederlanden 390.000 junge Bäume, Sträucher und Stecklinge mit einer Erfolgsquote von 80 %* umgepflanzt. Diese Methode kann auch in allen anderen nordeuropäischen Ländern zum Einsatz kommen – und in Belgien wurde dafür heute mit zwei umgepflanzten Bäumen der Grundstein gelegt.  Mehr lesen. 

Mehr Lesestoff finden Sie auf The Guardian, mehr Videomaterial auf World Economic Forum und hier finden Sie einen Dutch News-Bericht anlässlich des niederländischen Spende-einen-Setzling-Tages. Oder hören Sie sich an, was Frans Timmermans oder die flämische Ministerin Zuhal Demir über die Methode zu sagen haben (ggf. Untertitel aktivieren): 

*Eine Umfrage unter Abnehmern von Bäumen und Sträuchern nach der Ernte- und Pflanzsaison 2020/21 in den Niederlanden ergab, dass 80 % des Pflanzmaterials das Verpflanzen überlebt hat.